AUSBILDUN
Triebe des Hundes
Der Ernährungstrieb ist mit einer Reihe von Trieben gleicher Zielrichtung verbunden,  die den Hund veranlassen, Beutetiere aufzustöbern oder aufzuspüren, zu verfolgen,  zu überwältigen und zu erbeuten. Die Triebe, die unter dem Ernährungstrieb  summiert werden können, sind der Stöbertrieb, der Spürtrieb, der Jagdtrieb, der  Beutetrieb und der Apportiertrieb. Der Bewegungs- und Betätigungstrieb reagiert sich beim Wildtier im täglichen  Kampf ums Überleben aus. Der Haushund, der nicht mehr unter dieser  Notwendigkeit steht, hat nur die Möglichkeit durch lange Spaziergänge, Spielen und  Toben, seine angestauten psychischen und physichen Energien abzubauen. Der Spieltrieb ist mit dem Bewegungstrieb verwandt und ist bei den meisten  Haushunden auch noch im fortgeschrittenen Alter aktivierbar. Der Fluchttrieb ist bei allen Hunden stark ausgeprägt. Vorsicht, Zurückhaltung und  Misstrauen gegenüber allem Fremden, gipfeln in dem Drang, sich scheinbaren und  wirklichen Gefahren durch Flucht zu entziehen, sobald die Fluchtdistanz verkürzt  wird. Die Fluchtdistanz ist die Entfernung zwischen Gefahrenquelle und bedrohtem  Lebewesen, auf deren Verkürzung dieses im Normalfall mit Flucht reagiert. Der Selbstverteidigungstrieb erwächst als Notwehrreaktion aus dem Fluchtrieb. Ist  eine Flucht nicht mehr möglich und der Hund fühlt sich bedroht, reagiert das Tier  feindselig aggressiv. Passiert das häufiger in jungen Jahren, während der Ausbildung,  wird der Hund zum Angstbeißer. Der Geschlechtstrieb ist der durch innere und äußere Reize ausgelöste Drang nach  sexueller Betätigung. Beim Rüden beeinflusst der Geschlechtstrieb stark den  Geltungstrieb. Ein stark ausgeprägter Geschlechtstrieb ist daher häufig die Ursache  der Auflehnung des Hundes. Der Pflegetrieb äußert sich in der Bereitschaft der Elterntiere, sich eigener und auch  fremder Jungtiere anzunehmen, sich um sie zu kümmern, sie zu pflegen und zu  ernähren. Die in den Geselligkeitstrieben wurzelnden Triebformen ermöglichen das  Zusammenleben im Rudel und verbessern somit die Überlebenschancen in  schwierigen Situationen. Sie sind bei den einzelnen Hunden unterschiedlich stark  ausgeprägt. Die Rangfolge in einer Meute befindet sich in einem ständig labilen  Zustand und unterliegt permanenten Spannungen. Der Haushund betrachtet den  Menschen als seinen Artgenossen und daher folglich als Meuteführer, Rivalen oder  Feind. Je nach Veranlagung versucht nun der Hund im Zusammenleben mit dem Menschen  seinen Platz in der Rangfolge abzuklären. Die Grundlage der Beziehung zwischen  Mensch und Hund ist, dass der Mensch dem Hund seine Überlegenheit bewiesen hat  und eindeutig die Rolle des Ranghöheren übernommen hat. Der Hütetrieb zeigt sich im Bestreben des Hundes, seinen Heimbezirk und seine  Meute vor nahenden Gefahren zu schützen, die Gefahrenquelle zu melden, sie durch  Bellen zu verwarnen oder anzugreifen. Für den Haushund ist seine Umgebung  (Wohnung, Haus, Garten) sein Territorium, das von ihm bewacht und gegen  Eindringlinge verteidigt wird. Der Geltungstrieb zeigt sich im Bestreben innerhalb der Meute eine ranghöhere  Stellung, wenn möglich die des Leithundes, einzunehmen. Der Geltungstrieb  veranlasst den Hund Kampfhandlungen zu suchen, um dadurch dem Gegner in  ernsthafter Auseinandersetzung die eigene körperliche Überlegenheit zu beweisen. Die Innere Sicherheit des Hundes hat ein belastbares Nervensystem und das Gefühl  körperlicher Kraft zur Voraussetzung. Sie ist mit der menschlichen Selbstsicherheit  vergleichbar.Die Unerschrockenheit resultiert aus der Inneren Sicherheit.  Sie zeigt sich in der Fähigkeit des Hundes, unbekannten Situationen zu begegnen und  seiner Bereitschaft Bedrohungen entgegenzutreten. Unter Härte des Hundes versteht man seine Fähigkeit, Unannehmlichkeiten  hinzunehmen, ohne sich dadurch im Moment oder auf Dauer wesentlich  beeindrucken zu lassen.  Der Schutztrieb zeigt sich in der Bereitschaft des Hundes seinen bedrohten  Meutefährten beizustehen und ihn zu verteidigen. Unterwirft sich der Hund dem Ranghöheren, nachdem er dessen Überlegenheit erlebt  hat, zeigt sich hier der Unterwerfungstrieb. Der Unterwerfungstrieb ist die  Voraussetzung für die Unterordnung des Hundes unter den Willen des Menschen.